
Der Kreis schließt sich
Im SAN Biotech Park steht nicht nur die erste grüne Wasserstoff-Tankstelle Niederösterreichs. Auch mit dem Holz-Hybrid-Bau des neuen Firmensitzes setzt man auf erneuerbare Ressourcen und nimmt Kurs auf das Unternehmensziel: klimaneutral bis 2027.
Am Rand des runden Atriums windet sich eine Treppe nach oben und verbindet die drei Geschosse mit der Eingangslobby. Natürliches Tageslicht fällt von oben durch die Glasdecke bis ins Erdgeschoss. Der hohe Luftraum und das runde Volumen schaffen ein großzügiges und etwas feierliches Raumgefühl, das Entspannung verspricht. Keine scharfen Ecken und Kanten, die in das harmonische Rund hineinragen. Sogar die minimalistische Möblierung ist halbrund in das Foyer hineingezirkelt. In all dieser Rundheit steckt nicht nur ein ästhetischer Anspruch, sondern auch eine Botschaft. Der charakteristische Rundbau des neuen Hauptsitzes der SAN Group stehe symbolhaft für die Kreislaufwirtschaft und den Schutz des Planeten, so Unternehmensgründer Erich Erber. Der SAN Biotech Park, der zwei Bauteile umfasst, soll die übergeordnete Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens auch architektonisch abbilden.

Durch die offene Struktur des Atriums entsteht im Kern eine Begegnungszone, in der sich Mitarbeitende geschossübergreifend austauschen können.
SWAP Architekten
Unter anderem mit dem Baustoff Holz, mit ökologischen Dämmstoffen und mit einem Heizsystem, das die Abwärme aus der Produktion von grünem Wasserstoff nutzt.
Das Gebäudeensemble am Rand der niederösterreichischen Stadt Herzogenburg stammt aus der Feder von SWAP Architekten, die auch für Wiens ersten universitären Holzbau verantwortlich sind. An das runde Büro- und Laborgebäude schließt eine Forschungs- und Produktionsstätte an.
Klimaneutral bis 2027
In dieser steht die erste Elektrolyseanlage Niederösterreichs zur Gewinnung von grünem Wasserstoff.

Und – daran angeschlossen – die erste Tankstelle, an der sLH2 (subcooled liquid hydrogen) gezapft werden kann. Einen Großteil des für die Produktion benötigten Stroms erzeugen die Photovoltaikanlagen auf den begrünten Dächern der beiden Gebäude.
Neben der Wasserstoffproduktion liegt der Schwerpunkt des Unternehmens auf alternativen Pflanzenschutzmitteln für die Bio-Landwirtschaft und auf medizinischen Entwicklungen für eine gesunde Viehzucht. Die Unternehmensgruppe hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt bis 2027 klimaneutral zu sein. Neben der eigenen Sonnenstromproduktion samt Speicher und der Nutzung von Abwärme setzt man auch auf einen grünen Fuhrpark mit Elektro-, Wasserstoff- und Hybridfahrzeugen.


Ressourceneffizienz als oberstes Ziel
Für den neuen Biotechnologiepark galt es, mit Rohstoffen besonders sparsam umzugehen. „Zentrales Konzept ist die Ressourceneffizienz des Gebäudes, sei es durch die besonders nachhaltige Gebäudetechnik mit Photovoltaikanlagen, Erdwärmesonden und Wärmerückgewinnung oder das Sammeln von Regenwasser über die Flachdächer für den Betrieb der Sanitäranlagen“, erklärt Johann Trauninger, Head of Real Estate Development bei der SAN Group.
Der zentrale Rundbau mit einer Nutzfläche von über 9.000 Quadratmeter und rund 180 Arbeitsplätzen ist als Holz-Beton-Verbundkonstruktion errichtet. Der Radius des Baukörpers beträgt 22 Meter, seine Höhe 13 Meter. Die Büros und Labore sind um das zentrale Atrium herum angeordnet.


„Durch die offene Struktur des Atriums entsteht im Kern eine Begegnungszone, in der sich Mitarbeitende geschossübergreifend austauschen können“, heißt es vonseiten des Architekturbüros SWAP.
Ein Verbund aus Holz und Beton
Die Außenwände bestehen aus Brettsperrholz, das mit einer ökologischen Dämmung versehen ist. „Der Großteil der vertikalen Gebäudehülle wurde aus vorgefertigten Elementen zusammengebaut“, heißt es in der Projektbeschreibung.

Die einzelnen Elemente wurde werkseitig bereits mit hinterlüfteter Fassade und Fenster fertiggestellt. Auf der Baustelle ging es daher besonders schnell. Die Gebäudehülle wurde innerhalb von zwei Wochen am Rohbau montiert. Die unbehandelte Holzfassade wird mit der Zeit vergrauen und die für Holz typische Patina entwickeln.
Der orthogonale Forschungsbau daneben hingegen basiert auf einem Stahlbetonskelett, das mit Holzelementen ausgefacht wurde. Eine vertikale Holzlattung schließt außen als Fassade ab. Bei beiden Bauteilen setzte man auf Konstruktionen, die es besonders leicht machen, die Gebäude nach einem erfüllten Lebenszyklus wieder in ihre Einzelteile zu zerlegen und damit den Weg für die Wiedervertung zu ebnen. So schließt sich am Ende der Kreis.
Text: Gertraud Gerst
Fotos: Christian Brandstaetter, SWAP Architekten